“Das Ver­trau­en zuein­an­der braucht die Ach­tung vor­ein­an­der. ” (Ernst Ferstl)

Eine effek­ti­ve Zusam­men­ar­beit im Stadt­rat ist uner­läss­lich für das Wohl unse­rer Gemein­de. Gute Kom­mu­ni­ka­ti­on bil­det das Fun­da­ment erfolg­rei­cher Ent­schei­dungs­fin­dung und Pro­blem­lö­sung. Die vom öster­rei­chisch-bri­ti­schen Phi­lo­so­phen Karl Rai­mund Pop­per (1902–1994) for­mu­lier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­re­geln bie­ten einen wert­vol­len Leit­fa­den, um Dis­kus­sio­nen kon­struk­tiv und respekt­voll zu gestal­ten. Sie för­dern das gegen­sei­ti­ge Ver­ste­hen, redu­zie­ren Miss­ver­ständ­nis­se und schaf­fen eine Atmo­sphä­re, in der alle Stim­men gehört und ernst genom­men wer­den. Indem wir die­se Prin­zi­pi­en befol­gen, kön­nen wir sicher­stel­len, dass unse­re Ent­schei­dun­gen zum bes­ten Ergeb­nis für die Bür­ger von Strom­berg führen.

Regel Nr. 1:
“Jeder Mensch hat das Recht auf die wohl­wol­lends­te Aus­le­gung sei­ner Worte.”

Die­se Regel ist ein Appell an Tole­ranz und Offen­heit und unter­streicht die Bedeu­tung des Ver­ste­hens für die Zusam­men­ar­beit. Im Stadt­rat soll­ten wir die Wor­te unse­rer Kol­le­gen stets wohl­wol­lend inter­pre­tie­ren, um Miss­ver­ständ­nis­se zu ver­mei­den und eine kon­struk­ti­ve Atmo­sphä­re zu för­dern. Wer hin­ter jedem Vor­schlag nur nega­ti­ve Absich­ten ver­mu­tet, ver­gibt die Chan­ce auf pro­duk­ti­ve Zusam­men­ar­beit. Pop­per for­dert kei­ne unkri­ti­sche Nai­vi­tät, son­dern gegen­sei­ti­gen Respekt, der letzt­lich allen Betei­lig­ten zugutekommt.

Regel Nr. 2:
“Ver­ste­hen bedeu­tet nicht Billigung.”

Im Stadt­rat müs­sen wir die Per­spek­ti­ven und Argu­men­te unse­rer Kol­le­gen ver­ste­hen, ohne sie zwangs­läu­fig zu bil­li­gen. Die­se Unter­schei­dung ist ent­schei­dend, um kon­struk­ti­ve Dis­kus­sio­nen zu füh­ren. Durch das Ver­ste­hen ande­rer Sicht­wei­sen kön­nen wir unse­re eige­nen Posi­tio­nen stär­ken und fun­dier­te Ent­schei­dun­gen tref­fen, ohne unse­re Über­zeu­gun­gen aufzugeben.

Regel Nr. 3:
“Zum Recht aus­re­den zu dür­fen, gehört die Pflicht, sich kurz zu fassen.”

Jeder Rats­mit­glied hat das Recht, sei­ne Sicht­wei­se dar­zu­le­gen, soll­te dies jedoch prä­gnant und klar tun. Lan­ge, aus­schwei­fen­de Erklä­run­gen kön­nen die Effi­zi­enz der Sit­zun­gen beein­träch­ti­gen. Kla­re und kur­ze Bei­trä­ge hel­fen, die Dis­kus­si­on fokus­siert und pro­duk­tiv zu halten.

Regel Nr. 4:
“Jeder soll im Vor­aus sagen, unter wel­chen Umstän­den er bereit wäre, sich über­zeu­gen zu lassen.”

Es ist hilf­reich, die Bedin­gun­gen, unter denen man bereit ist, sei­ne Mei­nung zu ändern, im Vor­aus zu benen­nen. Dies schafft Trans­pa­renz und zeigt, dass man offen für ratio­na­le Argu­men­te ist. Im Stadt­rat för­dert dies eine ehr­li­che und ziel­ori­en­tier­te Diskussion.

Regel Nr. 5:
“Wich­ti­ger ist, ver­stan­den zu wer­den als die Wortwahl.”

Manch­mal ist es wich­ti­ger, dass der Kern der Bot­schaft ver­stan­den wird, als sich an der exak­ten Wort­wahl auf­zu­hal­ten. Im Stadt­rat soll­ten wir dar­auf ach­ten, dass die Inten­ti­on hin­ter den Wor­ten klar wird, um Miss­ver­ständ­nis­se zu ver­mei­den und die Zusam­men­ar­beit zu verbessern.

Regel Nr. 6:
“Man soll nie­man­den beim Wort neh­men, wohl aber das ernst­neh­men, was er gemeint hat.”

Wir soll­ten die Absicht hin­ter den Äuße­run­gen unse­rer Kol­le­gen ernst neh­men, anstatt uns auf die genau­en Wor­te zu kon­zen­trie­ren. Dies hilft, die Dis­kus­si­on auf die inhalt­li­chen Aspek­te zu len­ken und för­dert ein tie­fe­res Ver­ständ­nis der Anlie­gen und Vorschläge.

Regel Nr. 7:
“Es soll nie um Wor­te gestrit­ten wer­den, allen­falls um die Pro­ble­me, die dahin­ter stehen.”

Die Dis­kus­si­on soll­te sich auf die Lösung der eigent­li­chen Pro­ble­me kon­zen­trie­ren und nicht auf die genaue For­mu­lie­rung der Aus­sa­gen. Im Stadt­rat ist es ent­schei­dend, prag­ma­tisch und lösungs­ori­en­tiert zu arbei­ten, um die bes­ten Ergeb­nis­se für die Gemein­de zu erzielen.

Regel Nr. 8:
“Kri­tik muss immer kon­kret sein.”

Kri­tik soll­te immer spe­zi­fisch und kon­struk­tiv sein, um Ver­bes­se­run­gen zu ermög­li­chen. Vage oder pau­scha­le Kri­tik hilft nicht wei­ter und kann zu Frus­tra­ti­on füh­ren. Kon­kre­te Kri­tik­punk­te bie­ten hin­ge­gen die Mög­lich­keit, gezielt an Lösun­gen zu arbeiten.

Regel Nr. 9:
“Nie­mand ist ernst­zu­neh­men, der sich gegen Kri­tik unan­greif­bar gemacht, also ‘immu­ni­siert’ hat.”

Nie­mand soll­te sich der Kri­tik ent­zie­hen. Kri­tik ist ein wesent­li­cher Bestand­teil des Lern­pro­zes­ses und der Wei­ter­ent­wick­lung. Im Stadt­rat soll­ten wir offen für Rück­mel­dun­gen sein und sie als Chan­ce zur Ver­bes­se­rung sehen.

Regel Nr. 10:
“Man soll einen Unter­schied machen zwi­schen Pole­mik, die das Gesag­te umdeu­tet, und Kri­tik, die den ande­ren zu ver­ste­hen sucht.”

Es ist wich­tig, zwi­schen pole­mi­schen Angrif­fen und kon­struk­ti­ver Kri­tik zu unter­schei­den. Pole­mik spal­tet, wäh­rend kon­struk­ti­ve Kri­tik zur Lösungs­su­che bei­trägt. Im Stadt­rat soll­ten wir uns bemü­hen, stets sach­lich und lösungs­ori­en­tiert zu bleiben.

Regel Nr. 11:
“Kri­tik soll man nicht ableh­nen, auch nicht nur ertra­gen, son­dern man soll sie suchen.”

Akti­ves Ein­ho­len von Kri­tik zeigt Offen­heit und den Wunsch zur Ver­bes­se­rung. Im Stadt­rat soll­ten wir uns regel­mä­ßig Feed­back ein­ho­len, um unse­re Arbeit ste­tig zu opti­mie­ren und den Bedürf­nis­sen der Bür­ger gerecht zu werden.

Regel Nr. 12:
“Jede Kri­tik ist ernst­zu­neh­men, selbst die in böser Absicht vor­ge­brach­te; denn die Ent­de­ckung eines Feh­lers kann uns nur nütz­lich sein.”

Selbst Kri­tik, die in böser Absicht geäu­ßert wird, kann wert­vol­le Hin­wei­se ent­hal­ten. Im Stadt­rat soll­ten wir jede Rück­mel­dung ernst­neh­men und prü­fen, ob sie uns wei­ter­hel­fen kann. Dies för­dert eine Kul­tur der kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­bes­se­rung und des gegen­sei­ti­gen Respekts

Durch die Beach­tung die­ser Regeln eta­blie­ren wir im Stadt­rat von Strom­berg eine offe­ne und kon­struk­ti­ve Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur, die zu bes­se­ren Ent­schei­dun­gen und einem effek­ti­ve­ren Mit­ein­an­der führt.

Lite­ra­tur

  1. Pop­per, K. R.: Logik der For­schung, 10. Aufl., Tübin­gen 1994
  2. Pop­per, K. R.: Rech­te und Pflich­ten derer, die von ihren Mit­men­schen ler­nen wol­len, in: Auf­klä­rung und Kri­tik, 1 (1994) 1, S. 119
  3. Sei­den­berg, U.: Aus­löse­infor­ma­tio­nen im orga­ni­sa­to­ri­schen Gestal­tungs­pro­zeß – Vor­aus­set­zung einer fle­xi­blen Orga­ni­sa­ti­on, Frank­furt a. M. usw. 1989