Petition für einen Radweg auf der Trasse der Hunsrückquerbahn
Stadtrat unterstützt die Initiative
Hunsrückquerbahn: Jetzt braucht es endlich Klarheit!
Seit mehr als 20 Jahren wird über die Zukunft der Hunsrückquerbahn diskutiert. Studien wurden erstellt, Gutachten beauftragt, politische Absichtserklärungen abgegeben und immer wieder Hoffnungen auf eine Reaktivierung geweckt. Gleichzeitig wurden erhebliche finanzielle Mittel in die Planung investiert, ohne dass bis heute eine Entscheidung gefallen ist, die der Region tatsächlich einen nachhaltigen Nutzen bringt.
Mit dem Regierungswechsel in Rheinland-Pfalz haben sich die politischen Rahmenbedingungen nun verändert. Erstmals seit vielen Jahren enthält der Koalitionsvertrag kein ausdrückliches Bekenntnis mehr zur Reaktivierung der Hunsrückquerbahn. Damit bietet sich die Chance, die Zukunft der Trasse neu, sachlich und ergebnisoffen zu bewerten.
Bürgermeister übernimmt Verantwortung
Vor diesem Hintergrund hat Bürgermeister Dapper-Fichtner dem Stadtrat eine Petition vorgelegt, die sich für die Umwandlung der Trasse in einen modernen Rad- und Freizeitweg ausspricht.
Die Wählergemeinschaft Stromberg möchte dem Bürgermeister ausdrücklich Anerkennung dafür aussprechen, dass er bei diesem emotional und politisch kontroversen Thema Verantwortung übernimmt und eine klare Haltung zeigt. Es ist keineswegs selbstverständlich, bei einer derart polarisierenden Fragestellung Position zu beziehen. Umso wichtiger ist es, dass die Diskussion offen geführt und eine Entscheidung nicht weiter aufgeschoben wird.
Knappe Mehrheit im Stadtrat
Nach einer intensiven Diskussion hat der Stadtrat die Petition mit 7 Ja-Stimmen, 6 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen unterstützt.
Dieses knappe Ergebnis zeigt, dass es unterschiedliche Auffassungen gibt. Das ist in einer Demokratie selbstverständlich. Entscheidend ist jedoch, dass die Diskussion geführt wird und der politische Wille besteht, die Zukunft der Trasse nicht länger offen zu lassen.
Der größte Schaden ist der Stillstand
Aus Sicht der WGS besteht das eigentliche Problem längst nicht mehr ausschließlich in der Frage, ob eine Bahn oder ein Radweg die bessere Lösung wäre.
Der größte Schaden entsteht dadurch, dass seit mehr als zwei Jahrzehnten keine Klarheit herrscht.
Immer wieder werden Projekte verschoben oder gar nicht erst begonnen, weil die mögliche Reaktivierung der Hunsrückquerbahn im Raum steht. Flächen können nicht sinnvoll entwickelt werden, städtebauliche Überlegungen bleiben unvollendet und Chancen für die touristische Weiterentwicklung werden vertagt. Die Unsicherheit lähmt die Entwicklung unserer Stadt.
Stromberg braucht jedoch Perspektiven – keine Dauerprovisorien.
Jetzt alle Optionen ehrlich bewerten
Die Petition bedeutet keineswegs, dass bereits endgültig über die Zukunft der Trasse entschieden wurde. Sie ist vielmehr die Aufforderung, alle Möglichkeiten unvoreingenommen zu prüfen und die Vor- und Nachteile ehrlich gegeneinander abzuwägen.
Dabei müssen insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:
- Welchen tatsächlichen Nutzen hätte eine Reaktivierung der Hunsrückquerbahn für unsere Region?
- Welche Investitions- und Folgekosten wären damit verbunden?
- Welche wirtschaftlichen, touristischen und ökologischen Chancen bietet stattdessen ein durchgängiger Rad- und Freizeitweg?
- Welche Lösung bringt den größten Mehrwert für die Menschen im Hunsrück?
Verantwortung bedeutet, Entscheidungen zu treffen
Die WGS ist überzeugt: Nach mehr als 20 Jahren Diskussion ist die Zeit gekommen, eine Entscheidung zu treffen.
Unsere Region braucht Planungssicherheit. Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Kommunen haben Anspruch darauf zu wissen, welchen Weg die Politik künftig einschlagen möchte.
Deshalb begrüßen wir die Initiative des Bürgermeisters ausdrücklich. Sie eröffnet die Chance, die Zukunft der Hunsrückquerbahn neu zu denken und endlich eine Entscheidung zu treffen, die unserer Stadt und der gesamten Region langfristig dient.
Dabei ist uns eines besonders wichtig:
Wir sind weder gegen die Bahn noch ausschließlich für einen Radweg. Wir sind für die Lösung, die den Menschen im Hunsrück den größten Nutzen bringt. Genau deshalb muss diese Diskussion – nach mehr als 20 Jahren – endlich mit Fakten, nachvollziehbaren Kosten-Nutzen-Abwägungen und einer klaren Zukunftsperspektive geführt werden, statt mit immer neuen Hoffnungen auf eine Entscheidung, die seit Jahrzehnten ausbleibt.
Die Petition im Wortlaut
Petition für einen Radweg auf der Trasse der Hunsrück-Querbahn
Für eine zukunftsfähige, sichere und alltagstaugliche Nutzung der Trasse – gegen die Reaktivierung der Hunsrück-Querbahn
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir sprechen uns gegen die Reaktivierung der Hunsrück-Querbahn als Bahnstrecke aus und setzen uns stattdessen für die Umwandlung der bestehenden Trasse in einen modernen, durchgehenden Rad- und Freizeitweg ein.
Die ehemalige Bahntrasse bietet eine einmalige Chance, eine sichere, nachhaltige und touristisch attraktive Verbindung für Radfahrer, Fußgänger und Familien im Hunsrück zu schaffen. Diese Chance darf nicht durch ein kostenintensives und fragwürdiges Bahnprojekt verhindert werden.
Unsere Gründe gegen die Reaktivierung der Bahn
1. Hohe Kosten bei ungewissem Nutzen
Die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke würde enorme Investitionen in Gleise, Technik, Bahnübergänge und Infrastruktur erfordern. Gleichzeitig ist fraglich, ob die erwarteten Fahrgastzahlen dauerhaft erreicht werden können. Viele Menschen im ländlichen Raum bleiben weiterhin auf das Auto angewiesen.
2. Sinnvollere Nutzung für die Allgemeinheit
Ein durchgängiger Radweg könnte täglich von vielen Menschen genutzt werden:
- für Freizeit und Tourismus,
- für den sicheren Schul- und Arbeitsweg,
- für sportliche Aktivitäten,
- für regionale Naherholung.
Davon profitieren Bürger aller Altersgruppen unmittelbar.
3. Stärkung des Tourismus im Hunsrück
Gut ausgebaute Radwege ziehen Touristen an und stärken Gastronomie, Hotellerie und regionale Betriebe. Beispiele aus anderen Regionen zeigen, dass ehemalige Bahntrassen als Radwege erhebliche wirtschaftliche Impulse auslösen können.
4. Umweltfreundliche Mobilität ohne Großprojekte
Ein Radweg schafft nachhaltige Mobilität mit deutlich geringerem Flächenverbrauch, weniger Lärm und geringeren Folgekosten als eine Bahnreaktivierung. Gleichzeitig bleibt die Natur- und Kulturlandschaft des Hunsrücks besser erhalten.
5. Mehr Sicherheit für Radfahrer und Familien
Die Trasse eignet sich ideal für einen sicheren, steigungsarmen Radweg abseits stark befahrener Straßen. Besonders Familien mit Kindern sowie ältere Menschen würden davon profitieren.
Unsere Forderung
Wir fordern die verantwortlichen Kommunen, Landkreise und das Land Rheinland-Pfalz auf:
- die Pläne zur Reaktivierung der Hunsrück-Querbahn zu stoppen,
- die Bahntrasse dauerhaft für einen modernen Rad- und Freizeitweg zu sichern,
- Fördermittel gezielt in nachhaltige Radverkehrsinfrastruktur zu investieren,
- ein zukunftsorientiertes Mobilitätskonzept für die Region zu entwickeln.
Der Hunsrück braucht Lösungen, die von vielen Menschen genutzt werden, wirtschaftlich tragfähig sind und die Lebensqualität der Region dauerhaft verbessern.